“Spielbericht” 21. Mai 2008

Selten kommt es vor, dass diese Show ein spezielles Thema hat - es ist einfach nicht Sinn der Sache, von Anfang bis Ende ein bestimmtes Motto zu beackern. Man soll jederzeit einschalten können und hingerissen sein. Themen funktionieren nur, wenn sie so dermaßen universell sind wie das, dass ich am letzten Abend präsentiert habe: “Paarung”.
Oder um es etwas weniger zweideutig auszudrücken: Kollaborationen in Duettform. Mit der weiteren strengen Einschränkung, dass der Projektname jeweils zwingend aus den beiden Nachnamen der Beteiligten bestehen muss. In der Anmoderation verdeutlichte ich das am Beispiel Laurel Hardy und Starsky Hutch, dann spielte ich erstmal Ashford Simpson. Die Instrumentalversion ihres brillanten Discoklassikers “Bourgie Bourgie” gewährte ausreichend Zeit, um dieses zugegebenermaßen ziemlich abgefahrene Konzept beim Hörer erstmal sacken zu lassen.
Niggemann & Poppcke machten dann aber schon mal phonetisch klar, dass diese Art von Namensgebung nicht nur ein hohes Humorpotenzial hat, sondern auch diesen schönen Zufallsfaktor: man heißt, wie man heißt. Wer wüßte das besser als ich? “L’Aurora” kam allerdings genau genommen im Russ-Gabriel-Mix - ein Engländer in Detroit-Laune, wer soll da noch durchblicken? Solange es gut klingt und wenigstens der DJ Bescheid weiß, muss man sich da aber nicht groß den Kopf zerbrechen. Sondern lieber eine weitere Paarungsform goutieren: Rez Phunkt haben auf einem mir neuen Label namens “Distorzone” einen schön runden Track namens “Quench Cuisine” veröffentlicht, der in der von mir gespielten Originalversion zwar weniger bretterte als auf den Remixen, dafür aber die nächtlich-nachdenkliche Stimmung besser unterstrich.
Kollaborationen in Duettform
Kabale Liebe heißen natürlich nicht mit Nachnamen so - mit einem Augenzwinkern winkte ich sie dennoch durch, man muss so ein Motto auch mal ein bißchen liberal interpretieren dürfen - Pheek, der Remixer, etwa nahm sich ja auch sehr viel Freiheit, um den Track “Simpossible” tiefer zu legen, zu abstrahieren und zu freaken. “Fender My Love” von Goldfish Der Dulz nahm keine Dritthilfe in Anspruch - die beiden laufen derzeit ganz und wie von selbst zu enormer Form auf, wie schon letzte Woche auf der A-Seite zu hören. DJ Xhin wiederum ist keineswegs ein siamesischer Zwilling, sondern natürlich ein sehr interessanter Solokünstler aus Singapur, dessen Track “Several Ways” allerdings von niemand anderem als Heinrichs Hirtenfellner geremixt wurde - zwei Namen, die mir bis eben auch noch unbekannt waren, die man sich aber zweifellos merken sollte!
Diese Sache mit den Paarungen kultiviert man übrigens besonders auffällig auf dem schönen Stuttgarter Label Meerestief, das deshalb diesmal mit besonders vielen Tracks vertreten war. Unter anderem mit “The Giant’s Step”, einem Projekt der Labelbetreiber namens - wie könnte es anders heißen? - Stickroth Ercolino. Daso Pawas waren auch wieder am Start, bei diesem Thema lag das auf der Hand - sie haben gerade “Sapphire” von Sami Koivikko aufgemotzt - herrlich, mit diesen kantigen, obskuren Namen um sich zu schmeißen. Ich meine, jeder kann sich Grandmaster Flash The Furious Five nennen, aber was ist das schon gegen Wacker Zittrich? Und “Rough Collies 2″ rockte nun wirklich wacker, machte zittrich. Zu Girresse Erb fiel mir dann leider kein Wortspiel mehr ein - “Vacuum” sprach für sich, saugte den geneigten Hörer geradezu hinein in seinen deepen, elektronischen Groove.
Kombinationen von bis zu fünf Namen
Um dem Thema einen letzten raffinierten Dreh zu geben, kam am Schluß dann noch das Krause Duo - so gehts natürlich auch. Ihr Remix von Marbert Rocel gab der Show den jazzigen Ausklang, den sie verdiente. Vielleicht werde ich meine Ziele jetzt höher stecken und Sendungen gestalten mit Kombinationen von bis zu fünf Namen! Á la: Crosby, Stills, Nash, Young Delay. Oder Emerson, Lake, Palmer, Simon Garfunkel. Die Recherchen haben schon begonnen - für Hinweise bin ich jederzeit dankbar.
Yours truly,
Hans Nieswandt
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